Josef Bürckel – NS-Gauleiter und Kriegsverbrecher – als bis heute wirksamer Schatten im Blick von Peter Roos – TV-Gespräch über die Nachwirkungen und die Bühnenbearbeitung faschistisch-rassistischer Ideologien

Josef Bürckel, NS-Gauleiter in der Pfalz mit Sitz in Neustadt an der Weinstraße und Reichsstatthalter in Österreich, Kriegsverbrecher und Wegbereiter des Holocaust war oftmals als unsichtbare, mächtige Figur in der göllheimer Kindheit des 1950 in Ludwigshafen geborenen Schriftstellers Peter Roos präsent. Bürckel, in der Familie des jungen Roos tabuisierend bewundert, übte als nichtaussprechbare Figur entscheidenden Einfluss auf das literarische und publizistische Schaffen des Literaten aus. Hinzu kamen in der Nachkriegszeit Begegnungen mit unscheinbar gewordenen Mördern des Regimes, wie dem Euthanasiemediziner und Dr. med. Georg „Onkel Renno”. Letzter wirkte bereits ab 1940 als stellvertr. Leiter der NS-Vernichtungseinrichtung Schloss Hartheim bei Linz an der Vergasung von ca. 28.000 behinderter Menschen mit. Dies berichtet so lebhaft wie bedrängend der heute in Wien und in Markheidenfeld am Main lebende Peter Roos im Gespräch mit OK-TV Leiter Dr. Wolfgang Ressmann.

Diese prägenden Kindheitserlebnisse – durch die unmittelbare Nähe der üppigen Jagdhütte Bürckels „LassmichinRuhe“ im Wald bei Göllheim verstärkt –  bilden den Erfahrungsschatz für das Theaterstück „Bürckel! Frau Gauleiter steht Ihren Mann“ von Peter Roos, Premiere am 1.10.2020 am Pfalztheater Kaiserslautern.

Die künstlerische Aufarbeitung dieses dunklen und zum Teil systematisch verschleierten Kapitels deutscher und pfälzischer Geschichte wird damit auch zu einem beklemmenden Lehrstück über Verquickung, Verdrängung, Nachwirkungen und Schuld. Das Gespenst Bürckel wabert bis heute über die Weinstraße.

OK-TV Ludwigshafen zeichnet im Rahmen eines Ausbildungsprojektes junger Medienschaffender zudem die Lesung von Peter Roos „Wer liebte Hitler? Wer verehrte Bürckel?“ auf, produziert eine TV-Fassung des Theaterstücks und eine dokumentarische Reflektion mit der Göllheimer Jagdhütte als Kulisse.

„Ich freue mich, dass OK-TV Ludwigshafen in Zusammenarbeit mit Peter Roos, dem Bezirksverband Pfalz und dem Pfalztheater Kaiserslautern einen Beitrag zur Aufarbeitung oft totgeschwiegener nationalsozialistischer Vergangenheit in der Pfalz leisten kann, die aus der Region kommend weltpolitische Folgen hatte“, sagte OK-TV Leiter Dr. Wolfgang Ressmann.

Nächste Sendetermine im Programm von OK-TV Ludwigshafen:

  • 25.09.2020 Freitag 18:31 Uhr
  • 27.09.2020 Sonntag 19:00 Uhr
  • 30.09.2020 Mittwoch 20:30 Uhr

Pressemitteilung als PDF

Für Rückfragen:
Dr. Wolfgang Ressmann
Leiter OK-TV Ludwigshafen
wolfgang.ressmann@ok-lu.de
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